Der Moment als CrossFit „mehr“ wurde als nur körperliches Training

Seit Januar mache ich CrossFit regelmäßig. Zwei Trainingseinheiten im Dezember brachten mir mit den schlimmsten Muskelkater meines Lebens und seit ich im Januar den sogenannten „Fundamentals“ Kurs , sprich den Einsteigerkurs, um alle Grundagen zu lernen, absolviert habe, gehört Muskelkater eigentlich zu meinem ständigen Begleiter. An manchen Tagen nervt es, aber die meiste Zeit liebe ich das Gefühl, dass mein Körper mit jedem Training, das ich absolviere, stärker wird. Ich bin im Vergleich zu Vielen noch total am Anfang, aber wenn ich eins gelernt habe seit ich begonnen habe: „Es ist egal, was die anderen machen. It’s you against you.“ Ich habe so viele Dinge gelernt, von denen ich bis vor Kurzem dachte, dass ich sie nie kann, dass ich einfach mal ohne Rücksicht sagen kann: Ich bin echt stolz darauf, was ich bis jetzt erreicht habe. Mein Backsquat liegt mittlerweile bei 60 kg (erstes Mal 31 kg), ich schaffe Toes-to-Bar, was ich im März während der CrossFit Open einfach nicht hingekriegt habe und merke, dass tief unter meinen paar Speckschichten viele, viele straffe und schlanke Muskeln wachsen und alles langsam fester wird. Soviel zum körperlichen. Es gibt nichts daran zu rütteln. Wenn du die CrossFit-Übungen vernünftig ausführst und bei einem guten Trainer in einer guten Box (so nennt sich das „Fitnessstudio“ in dem man trainiert) bist und auf deinen Körper hörst, dann wirst du stärker, fitter, ausdauernder und wirst schnelle Erfolge merken. Wenn du deine Ernährung noch anpasst (und ja ich habe nur sichtbare körperliche Veränderungen gemerkt als ich im Januar parallel auch gesünder gegessen habe, momentan hängt es da etwas 😉 ), dann kannst du mit CrossFit definitiv einiges aus deinem Körper herausholen in kurzer Zeit.

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CrossFit

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CrossFit ist aber mehr als nur das körperliche Training. Zum Beispiel die Zusammengehörigkeit. Ich kann ganz klar sagen: Ich liebe meine Box. Ich habe mich vom ersten Moment an wohl gefühlt und gut aufgehoben. Dein Stolz auf deine Leistung ist der Stolz der anderen. Jeder freut sich mit Jedem. Sei es der erste Pull up, den man frei schafft, oder dass es jemand, der noch ganz am Anfang steht, sich 30 Sekunden an der Bar halten kann. Jeder gibt „seine“ 100% im Training und das merkt man – an den Blicken, dem Schweiß, dem Gestöhne, dem Fluchen und an den unendlich glücklichen Gesichtern und dem Leuchten in den Augen nach dem Workout. Jeder freut sich mit jedem, dass man weiterkommt und seine persönlichen Ziele erreicht. (unten seht ihr meine Veränderung im ersten Monat CrossFit und gesunder Ernährung)

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Nun aber zu einer sehr persönlichen Sache, wegen der sich der Grund, wieso ich trainiere von jetzt auf gleich komplett verändert hat. Mein Papa, der immer mein Held war und dem nie etwas schlimmes fehlte, ist leider an einem Hirntumor erkrankt. Die Diagnose gab es an dem Tag als ich auf der FIBO war und ich muss sagen, dass es das bisher Schlimmste ist, das ich in meinem Leben erlebt habe. Ich wünsche niemandem auf der Welt so etwas. Es gibt sicher noch ganz viele andere schlimme Dinge, doch es geht letztlich ja nicht darum, was schlimmer oder weniger schlimm ist. Es ist und bleibt beschissen. Für den Betroffenen, für die Angehörigen und die Freunde. Das Leben ändert sich mit einem Mal. Früher wäre ich so gewesen, dass ich von jetzt auf gleich meinen Sport einstelle, denn wenn ich nun im Nachhinein darüber nachdenke, dann hat mir Fitness nur bedingt Spaß gemacht. Es war eher eine Belastung. Ich habe es gemacht, um fit zu bleiben, weil man das eben so macht und weil es dazu gehört. Doch richtig Spaß an Fitness habe ich erst seit ich CrossFit mache. Und somit merkte ich, dass trotz dieser lebensverändernden Dinge, die auf mich eingeprasselt sind und immer noch einprasseln CrossFit mein fester Anker ist – eine Stütze, die mich nun schon durch einige echt beschissene Tage gebracht hat. Wenn Reden oder Gemeinschaft zu anderen Menschen nicht das ist, was mir hilft. Am Tag vor der Hirn OP meines Papas am 11. April, als ich nicht wusste, ob ich ihn vielleicht das letzte Mal sehe, ob er mich noch erkennt, wenn er wieder aufwacht, ob er noch laufen kann oder was auch immer, da war ich im CrossFit und habe über 60 Toes-to-Bar geschafft. Die Übung, die den ganzen März über einfach nicht klappen wollte. Trotz meines traurigen, müden und geschockten Ichs in mir drin, war ich zeitgleich stolz, freudig und hatte ein positives Erlebnis. Während des Workouts konnte ich vor lauter Anstrenung nicht an die Situation denken sondern war ein paar wenige Minuten nur mit mir und meinem Körper beschäftigt und mein Kopf wurde wieder ruhig.

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Dies war der Moment als ich gemerkt habe, dass CrossFit nicht nur endlich „MEINE“ Sportart ist, die mich den Rest meines Lebens begleiten wird, sondern dass ich Sport nicht mehr machen „muss“ sondern „will“, nicht weil es dazu gehört, sondern, weil es mir Spaß macht, mir Halt gibt und mir Selbstsicherheit gibt für das Leben. Ich trainiere für mein Leben. Egal wie anstrengend es wird, welche Herausforderungen mich noch erwarten. Ich weiß, dass ich stark genug bin, damit umzugehen, weil ich stark bin – egal, wie hoch meine Gewichte sind im Vergleich zu anderen.

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Viele, die das nicht nachvollziehen können, denken vielleicht, es ist egoistisch, dass ich an manchen Tagen mein Training vor andere Dinge stelle, doch letztlich geht es darum, was einem selbst gut tut. Ich wünsche jedem, dass er etwas in seinem Leben findet, dass ihn mental genauso stark macht, wie es CrossFit mit mir macht. Ein riesengroßes Dankeschön geht auch an die Trainer bei CrossFit Liberty – insbesondere die Besitzer Tony und Lisa Neal, die mich immer wieder an meine Grenzen bringen. Gerade an Tagen, an denen ich mich nicht stark fühle, bekomme ich einen Arschtritt und schwupps klappt wieder irgendetwas Neues und ich gehe gestärkt aus meinem Workout raus.

Einen ausführlicheren Post zum Thema CrossFit schreibe ich demnächst noch für Euch! Damit ihr auch wieder wisst, von was ich da immer rede – denn einige kommen nicht mehr mit wurde mir gesagt 😀 !

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6 comments on “Der Moment als CrossFit „mehr“ wurde als nur körperliches Training

  1. Liebe Steph, ich kann sehr gut verstehen wie du dich fühlst. Es ist ganz wunderbar dass du DEINE Sportart gefunden hast und dir auch die Zeit für dich nimmst. Ich wünschte jeder hätte so eine Einstellung. Deinem Dad drück ich weiterhin fest die Daumen dass alles gut wird. Stay Strong 😉
    GLG Stef

  2. Man liest deine Begeisterung über Crossfit in jedem Wort heraus! Es ist dein Sport geworden und man merkt: du hast das perfekte sportliche Match gefunden!! Ein wundervoller Post, unglaublich ansteckend und motivierend!

    Gleichzeitig wünsche ich dir und deiner Familie ganz viel Kraft für die kommende Zeit und hoffe die Op deines Papas ist gut verlaufen!
    Alles Liebe
    Jenny

  3. Steph, ich war gerade so happy beim Lesen! Vor allem, weil du schreibst, dass Fitness eher eine Last war… Bei mir war es genau andersrum, CrossFit war für mich Zwang und Bodybuilding jetzt ist genau meins. Deswegen kann ich nachvollziehen, wie gut sich diese Erkenntnis angefühlt haben muss ❤️ Ich freue mich wahnsinnig für dich – du kannst echt stolz auf dein Durchhaltevermögen sein, viele hätten die Box gar nicht erst betreten. You got this

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